Zugegeben, – als ich das erste Mal von dieser Art auf Wels zu fischen hörte, dachte ich, man würde dafür tatsächlich Tierknochen verwenden. Damit lag ich ordentlich daneben, denn in Wahrheit hat diese Montage überhaupt nichts mit echten Knochen zu tun.

Ihren Namen verdankt sie ganz im Gegenteil einem Bambusstab mit Styroporkugeln an den Enden. Vermutlich erstmalig vor Jahrzehnten in Ungarn genutzt, diente dieser sogenannte „Knochen“ als Auftriebskörper für Köderfische. Ziel war es, den Köder oberflächennah anzubieten, ohne durch eine verräterische Montage aufzufallen.

Die längliche Form des Knochens sollte dabei verhindern, dass sich das Vorfach um die Hauptschnur wickelt und dem Köder mehr Bewegungsspielraum geben.

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Ein ideales Einsatzgebiet für die Knochenmontage bietet dieses tiefe Kehrwasser unterhalb einer Rausche.

Aufbau der Knochenmontage

Das ehemalige Bambusrohr wurde längst überholt und ebenso wie die ursprünglich genutzten Styroporkugeln durch stabileres, langlebigeres und optisch ansprechenderes Material ersetzt.

Der Knoten

Mittlerweile gibt es auf dem Markt verschiedenste Modelle des Knochens zu kaufen. Diese unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Länge und Auftriebskraft. Außerdem finden sich immer häufiger mehrteilige Knochen, die durch ihre kurze Transportlänge punkten.

Auch wenn es durchaus Sinn macht, sich ein gut verarbeitetes Marktmodell zuzulegen, könnt ihr euch den Knochen auch aus Styropor und einem dünnem PVC-Rohr selbst zusammenbasteln. Die optimale Länge zum Wallerfischen liegt bei 1-2 Metern. Ein guter Richtwert für die Auftriebskraft sind 500-1000 Gramm.

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Das Gewicht

Die gesamte Montage ist recht simpel aufgebaut. Auf der Hauptschnur fische ich am liebsten ein Sea-Boom in welchem ich ein Einhängeblei oder eine Steinmontage einhänge.

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Das Bleigewicht wähle ich je nach Wind und Strömung zwischen 200 und 400 Gramm, wobei ich mit 250 Gramm nahezu überall auskomme.

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Alternativ zu dem Blei bietet sich auch eine Steinmontage an. Das Gewicht des Steins bzw. des Sandes sollte 2 Kilo nicht überschreiten und die Dicke der Reißleine entsprechende 0,25 bis 0,4 Millimeter betragen.

Bei der Herstellung der Steinmontage ist es wichtig einen Sack aus einem verrottenden Material wie Jute zu verwenden, da dieser nach dem Biss am Gewässergrund bleibt.

Da der Anschlag bei der Durchlaufmontage händisch erfolgt und schon beim Abtauchen des Knochens gesetzt werden kann, ziehe ich diese bei kurzen Ansitzen am Tag, sowie an Gewässern ohne Boot vor.

In allen anderen Fällen verwende ich hingegen die Steinmontage. Da diese keinen händischen Anschlag erfordert, ist sie insbesondere beim Nachtangeln sinnvoll. Hierbei gibt nichts ärgerlicheres, als von einem Wallerbiss aus dem Zelt geklingelt zu werden und nur noch den angefressenen Köder einzuholen.

Wirbel und Vorfach

Nach dem Gewicht folgt der Knochen selbst. Abschließend wir ein Wirbel mit einem Clinch-Knoten ans Ende der Hauptschnur geknotet in welchen das Vorfach eingehängt wird.

Da der Knochen auch als Abstandhalter zwischen dem Vorfach und der Hauptschnur dient, gilt dieser als Längenbegrenzung für das Vorfachs. Wird das Vorfach zu lang gewählt und übersteigt die Länge des Knochens, kann es sich aufgrund der großen Aktivität der Montage schnell in der Hauptschnur verfangen.

Beim Angeln mit dem lebendem Köderfisch ist die Gefahr von Verwicklungen besonders groß. In der Folge bleiben die Bisse aus und die ganze Montage muss im schlimmsten Fall neu gebunden werden. Wer trotzdem mit langen Vorfächern fischen will, sollte entweder einen längeren Knochen oder eine Bojenmontage verwenden.

Vorfachlänge

Um Schnurverwicklungen zu vermeiden, darf die Vorfachlänge die Länge des Knochens auf keinen Fall übersteigen.

Einsatzbereiche und Vorteile der Knochenmontage

Die Anwendungsmöglichkeiten dieser Montage sind breit gefächert. Sie kann sowohl in Seen als auch in strömungsarmen oder langsam fließenden Flussabschnitten eingesetzt werden. Insbesondere in flachen Gewässern oder wenn oberflächennah gefischt werden soll, spielt die Knochenmontage ihre Stärken aus.

Je bisserfahrener die Waller in einem Gewässer sind und je vorsichtiger sie auf Köder reagieren, desto geringer sollte der Auftrieb des Knochens gewählt werden. In vielbefischten Gebieten nutze ich teilweise nur noch zwei 120-Gramm-Auftriebskörper an meinem Knochen.

Oftmals haken sich die Waller beim Biss bereits durch den Auftrieb der Schwimmkörper selbst. Damit dies klappt, müssen unbedingt nadelscharfe Haken gewählt werden!

Klassischer Köder für diese Angelei ist nach wie vor der tote (oder wo erlaubt lebende) Köderfisch, doch wie immer sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Auch Alternativköder wie Tauwürmer, Blutegel, Tintenfischstreifen, Innereien oder sonstige Wallerköder führen zum Erfolg.

Vor- und Nachteile der Knochenmontage

Die Knochenmontage ist sehr wind-, wellen- und strömungsanfällig. Selbst eine leichte Brise genügt, um den Knochen in Bewegung zu halten und hin und her-dümpeln zu lassen. Der Köder steht nicht stundenlang auf der Stelle, sondern tanzt selbst im Stillwasser in einem relativ großen Radius umher.

Dadurch sucht er einen bestimmten Bereich nach Raubfischen ab und strahlt gleichzeitig eine höhere Lockwirkung aus. Auf der anderen Seite gestaltet genau dieser Umstand den Einsatz der Knochenmontage in hängerreichem Terrain äußerst schwierig.

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Eine langgezogene Flusskurve mit wenig Überhängen und geringer Strömungsgeschwindigkeit. Hier kann die Knochenmontage ihre Stärken ausspielen.

An Hotspots wie in das Wasser ragenden Büschen würde sich die Knochenmontage nach einiger Zeit zwangsläufig festsetzen. Soll der Köder wiederum knapp über versunkenen Hindernissen angeboten werden, bietet sich dieses System durchaus an.

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Direkt unterhalb der Büsche fällt die Gewässertiefe auf 4 Meter ab. Wer an diesem Hotspot mit der Knochenmontage erfolgreich sein will, muss sich vor den Zweigen in Acht nehmen.

Wer schon einmal versucht hat, die Knochenmontage mit seiner Wallerrute auszuwerfen, weiß um die Notwendigkeit eines Bootes oder Futterbootes. Besitzt ihr beides nicht oder sind Boote an euren Gewässern gar verboten, so lässt sich die Montage auch schwimmend oder mit der 2-Ruten-Technik ausbringen.

Ist das Boot erlaubt?

Am einfachsten lässt sich die Knochenmontage mit einem Boot ausfahren. Leider ist die Bootsangelei in vielen Gewässern verboten. Wer sich daran nicht hält, riskiert den Entzug der Erlaubniskarte und eine Geldstrafe. Daher solltet ihr euch an neuen Gewässern vor dem Angeln erst ausführlich über die Gewässerbestimmungen informieren.

Ist die Bootsangelei tatsächlich verboten, könnt ihr möglicherweise auf ein Futterboot zurückgreifen, die Leinen ausschwimmen oder die 2-Ruten-Technik anwenden.

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Fazit

Die Knochenmontage ist eine einfache, aber effektive Welsmontage, die in das Repertoire jedes guten Walleranglers gehört.

Wer seine Erfahrungen mit dieser Angelei gemacht hat, kann das Prinzip Knochenmontage in vielen Situationen einsetzen. Insbesondere bei besondere Gewässerstrukturen oder launische Fische kann man mit Sicherheit den einen oder anderen Bonuswaller landen.

Adrenalin pur

Nimmt ein Waller den Köder, stellt sich der Knochen im Wasser kerzengerade auf, bevor er unter Wasser gerissen wird und der Fisch in die Rute schwimmt. Wer seine Montagen aufmerksam im Blick hat, kann den Biss also direkt an den Bewegungen des Knochens beobachten – Adrenalin pur! Besonders aufregend gestaltet sich dies bei spiegelglatter Wasseroberfläche oder wenn ihr in Ufernähe fischt.

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