Wallerfischen im Sommer

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Die Tage sind lang und heiß, die Nächte kurz und tropisch warm. Froschrufe und Grillenkonzerte erfüllen die laue Abenddämmerung. Die Wassertemperaturen erreichen die 20-Grad-Marke und steigen kontinuierlich weiter. Entgegen der langläufigen Meinung sind die Waller in dieser Zeit nicht leicht zu überlisten. Den Zielfisch an den Haken zu locken, wird nun zu einer aufregenden und spannenden Herausforderung, doch mit der richtigen Taktik bleiben unsere Köder nicht lange unentdeckt. Die Jagd auf den größten heimischen Raubfisch beginnt.

Frühsommer

Ist der Sommer noch sehr jung oder liegen die Wassertemperaturen durch ein langes und kaltes Frühjahr im Keller, verhalten sich auch die Fische dementsprechend. Möglicherweise befinden sich die Waller gerade sogar mitten in der Laichzeit. In diesen Fällen müssen wir Angler uns den Fischen anpassen und uns an den Methoden zum Wallerfischen im Frühjahr orientieren.

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Dieses praktische Thermometer wird an die Schnur gebunden und mit der Rute ausgeworfen. Auf diese Weise kann die Wassertemperatur auf verschiedene Entfernungen und Tiefen exakt ermittelt werden.

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Der stetige Blick auf den Wetterbericht, regelmäßiges Messen der Wassertemperatur und vor allem ein wachsames Auge am Wasser ermöglichen es, diese Zeiträume mit wachsender Erfahrung richtig einzuordnen.

Hochsommer

Lange Zeit galt der Sommer als uneingeschränkt beste Jahreszeit, um auf Waller zu Fischen und auch heute noch ist diese Meinung in Anglerkreisen weit verbreitet. In der Theorie erscheint dies auch durchaus plausibel. Die hohen Wassertemperaturen bringen den Stoffwechsel des wechselwarmen Jägers kräftig in Schwung und verstärken seinen Fresstrieb. Zudem muss er trotz seines erhöhten Energieverbrauches die Zeit des Überangebotes nutzen, um sich Energiereserven für die Wintermonate anzufressen. Aus diesen Gründen müsste der Sommer die ideale Zeit sein, um dem Waller mit der Angel nachzustellen.

Von selbst springen einem die Fische dann allerdings doch nicht an den Haken, denn ganz so einfach wie in der Theorie ergibt sich die Sommerangelei auf Waller nicht. Stattdessen mehren sich Fehlbisse und Beißflauten. Nicht selten kauen die Raubfische lediglich auf dem angebotenen Köder herum oder reißen ihn vom Haken, ohne dabei hängen zu bleiben. Daher geben nicht wenige Angler ihren Sommerwaller nach den ersten Fehlversuchen auf oder überspringen die warme Zeit von Vornherein.

Auch wenn diese Umstände zunächst ernüchternd klingen, machen sie doch den besonderen Reiz des Sommers aus. Der Fang guter Waller wird zu einer anglerischen Herausforderung und jeder Fisch bleibt etwas Besonderes. Trotzdem gleicht das Überlisten eines Wallers keinem Hexenwerk. Stattdessen führen Durchhaltevermögen und die richtige Taktik zum Erfolg. Um zu fangen, wo andere gefrustet aufgeben, gibt es lediglich einige Dinge zu beachten.

Beste Zeit für bootlose Frostbeulen

Das Ausschwimmen von Montagen stellt bei den sommerlich warmen Temperaturen auch für Kaltfüßler eine machbare Aufgabe und gern gesehene Erfrischung dar. Trotzdem gilt insbesondere bei Flüssen: Safety First!
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Das Ausschwimmen der Montage ist beim Angeln ohne Boot sehr hilfreich

Wo finde ich die Waller?

Grundsätzlich lässt sich das Verhalten von Sommerwallern in zwei Phasen einteilen. In der Fressperiode jagen die Raubfische aktiv nach Beute, während sie in der Ruhephase passiv am Grund verharren. Mit diesem Wissen schauen wir uns die verschiedenen Gewässertypen an:

See

Noch im Frühjahr war sie ein großer Vorteil, doch nun, im Sommer, sorgt die vergleichsweise hohe Wassertemperatur für eine geringere Sauerstoffsättigung und damit einhergehende gesteigerte Trägheit der Waller. Die Fressphasen fallen vergleichsweise kurz aus. Die Jagd findet an Spots mit hohem Weißfischaufkommen statt.

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Ein gut gefüllter Setzkescher. An den Fressplätzen der Rotaugen finden sich die Räuber zur Jagd ein.

Daher muss man zuerst die Fischschwärme ausfindig machen. Meistens handelt es sich um markante Bereiche wie flache Uferzonen, ausgeprägte Krautfelder oder Schilfgürtel.

Die Weißfische finden

Wo Plötzen und Brassen das Kraut durchkämmen, sind die Waller nicht weit. Ein Ansitz mit der Feederrute verschafft Gewissheit und lockt indirekt auch die Räuber auf den Platz.

Außerhalb der Fressphasen verharren die Waller die meiste Zeit des Tages inaktiv am Gewässergrund, wobei sie gezielt kühlere Spots ansteuern. Interessant sind nun Vertiefungen und Löcher in der Gewässerstruktur, insbesondere abfallende Übergänge und Kanten unterhalb der beutereichen Jagdreviere der Waller.

Zu tief sollte man seine Montagen im Sommer allerdings auch nicht auslegen, da die Fische die sauerstoffarmen Bereiche unterhalb der Sprungschicht meiden. Stattdessen werden die Welse auch von schattigen Uferregionen und überhängendem Buschwerk angezogen.

Fluss

Fließgewässer bieten im Sommer einen entscheidenden Vorteil. Durch ihre kontinuierliche Strömung durchmischen sie das Wasser und reichern es mit Sauerstoff an. Zudem steigen die Wassertemperaturen im Fluss weniger stark an.

Absolute Hotspots sind nun Wehre und Staustufen, welche besonders viel Sauerstoff in das Wasser einbringen und zudem Sedimente und Nahrung aufwirbeln, wobei sie tiefe Rinnen ausspülen. Dies zieht wiederum Weißfische an.

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Ein Wehr mit kräftiger Strömung macht diesen Flussabschnitt im Sommer zu einem lohnenswerten Waller-Hotspot.

An solchen Stellen finden die Waller nahezu perfekte Bedingungen vor und versammeln sich in großen Stückzahlen, allerdings herrscht hier häufig ein hoher Angeldruck und die Fische beißen dementsprechend vorsichtig. Die längste Zeit über liegen die Waller in den Strömungsrinnen am Grund. Zur Jagd ziehen sie meist in die strömungsberuhigten Rand- und Flachbereiche. Auch hier gilt die Devise: Wer die Weißfische findet, findet die Waller.

Angelverbote beachten!!!

Insbesondere große Wehre dürfen meistens erst ab einem bestimmten Abstand beangelt werden. Verstöße werden rigoros kontrolliert und geahndet. Daher solltet ihr euch im Vorfeld unbedingt und ausreichend über Sperrstrecken und Schonbereiche informieren!

Wann ist die beste Angelzeit?

Am aktivsten verhalten sich Sommerwelse erfahrungsgemäß in der zweiten Nachthälfte und in den frühen Morgenstunden, wenn die Außentemperaturen am niedrigsten liegen. Interessanterweise kommt es zudem manchmal zu vollständig umgekehrten Beißphasen in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden. Daher kann sich ein Ansitz in der prallen Mittagssonne ebenso lohnen wie eine Nachtsession. Besonders interessant gestaltet sich dieser Umstand an Gewässern mit Nachtangelverbot.

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Wann kommt der Biss? – Sommerwaller lassen sich auch hervorragend tagsüber befischen.

Wie sollte ich fischen?

Die Angelmethode spielt beim Wallerfischen im Sommer eine Nebenrolle. In erster Linie kommt es auf die richtige Stellenwahl an. Trotzdem hilft der eine oder andere methodische Trick, die Fischausbeute zu erhöhen.

Die präzise Platzwahl ist essenziell für den Fangerfolg

Sämtliche Aktivitäten der Waller beschränken sich nun auf wenige Bereiche, in denen sie jagen und sich ausruhen. Wer die falschen Stellen befischt, wird schlecht oder gar nicht fangen.

Fehlbisse minimieren

Da die Bisse oft nur zaghaft erfolgen und die hitzefaulen Fische mehr am Köder „nuckeln“, als ihn zu schlucken, ist ein rascher und kräftiger Anschlag ebenso wichtig wie die Benutzung nadelscharfer Haken. Je stärker die Vorspannung der Rute erfolgt und je zügiger und kräftiger der Haken gesetzt wird, desto sicherer hängt letztlich der Waller am Haken.

Im Gegenteil zu diesem grobschlächtigen Vorgehen sollte die Reißleine mit einem Durchmesser von 0,25 – 0,3 mm eher dünn ausfallen, um dem beißenden Waller zunächst wenig Widerstand entgegenzubringen.

Ködergröße

Stellt euch vor, ihr sitzt an einem heißen Sommertag gemütlich aber matt und schläfrig durch die anhaltende Hitze in eurem Garten. Vor euch steht ein großes Steak mit Pommes, daneben liegt ein Apfel. Wofür entscheidet ihr euch?

Die Meisten würden in der Situation wohl zum Apfel greifen. So ähnlich ergeht es den Wallern in Fluss und See auch. Durch die erschöpfenden Temperaturen und damit verbundene Sauerstoffknappheit bewegen sich die lethargischen Fische nur so viel wie unbedingt nötig. Große „Köder-Hauptmenüs“ finden seltener einen gefräßigen Abnehmer.

Viel eher lassen sich die Räuber von kleinen Zwischensnacks überzeugen. Köderfische im Hechtformat wie etwa mittelgroße Rotaugen wecken nun ähnlich dem Apfel deutlich mehr Interesse.

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Es müssen nicht immer Brasse oder Karausche sein. Hier ist ein Rotauge das Mittel der Wahl.

Aktivfischen

Vielversprechende Angelmethoden auf Waller stellen das Spinnfischen oder auch das Vertikalangeln dar. Gerade im Sommer kann der Versuch, die Waller mit auffälligen bewegungsreichen Ködern zum Biss zu provozieren durchaus lohnenswert sein. Dafür bietet es sich an, einen Spot wie etwa den ausgespülten Bereich unterhalb eines Wehres oder einer Rausche grundnah zu befischen.

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Nicht die erste Wahl aber definitiv auch einen Versuch wert – das sommerliche Spinnfischen auf Waller am See.

Vertikalangeln bedeutet das senkrechte Angeln vor den eigenen Füßen, wobei der Köder lediglich abgelassen statt ausgeworfen wird. Typisch hierfür ist die Verwendung kurzer Ruten und eines Bootes. Vertikal können auch Naturköder verwendet werden, die beim Auswerfen nicht (gut) am Haken halten würden. Verwendung finden dabei gängiger Weise Köderfische und Tauwurmbündel. Als Kunstköder bieten sich zum Vertikalangeln hauptsächlich Gummifische mit Bleikopf an. Typische Spinnköder kommen ebenfalls Gummifische sowie Wobbler und Blinker in Frage.

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Der Ködertisch ist reich gedeckt. Immer eine gute Wahl sind Gummis, Wobbler oder klassisches Blech.

Die Hauptschnur sollte 0,35-Millimeter-Geflecht nicht unterschreiten. Sicherer gestaltet sich das Fischen mit 0,4er oder 0,5er Geflechtsschnur.

Auch wenn diese Angelmethoden einige Ausdauer und Geduld erfordern, entschädigt der atemberaubende Drill eines kapitalen Wallers am leichten Spinngerät die Mühe um ein Vielfaches.

Klopfen mit dem Wallerholz

Wer mit einem Boot und einem Echolot ausgestattet ist, kann die passiven Waller auch damit suchen und mithilfe des Wallerholzes so lange provozieren, bis sie den unter dem Boot angebotenen Köder attackieren.

Diese Art der Angelei ist nicht nur unfassbar spannend, sondern eignet sich auch hervorragend für die Sommerzeit, wenn die Waller tagsüber passiv auf dem Grund liegen. Weitere Informationen zur Wunderwaffe Wallerholz und deren richtiger Anwendung gibt es hier.

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Fazit

Das Wallerfischen im Sommer erfordert viel Durchhaltevermögen. Viele im restlichen Jahr erfolgreiche Spots bringen keine Fische mehr und wenn man die Waller endlich aufgespürt hat, beißen sie eher zurückhaltend. Nun ist die richtige Platzwahl wichtiger denn je.

Hat man seinen Spot und seine Taktik einmal gefunden, stellt sich auch der Erfolg ein. Dabei ist die Freude über einen der anspruchsvoll zu befischenden Sommerwaller besonders groß. Andere Angelmethoden wie das Klopfen sorgen nun für Abwechslung und Spaß und halten die Motivation hoch.

Wie immer gilt: Nur der Köder im Wasser fängt Fisch. Also keine Ausreden und ab an´s Gewässer!

In diesem Sinne –

Petri Heil!

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